Robert Kreis: „Ehemann“ und Botschafter der 1920er Jahre
Robert Kreis, ein niederländischer Kabarettist, Pianist und Entertainer, hat sich als eine Schlüsselfigur bei der Wiederbelebung der Faszination für die Goldenen Zwanziger etabliert. Mit seinem unverwechselbaren Menjou-Bärtchen und einer tiefen Leidenschaft für die Unterhaltungsära der 1920er und 1930er Jahre ist er weit mehr als nur ein Künstler; er ist ein Botschafter einer vergangenen Zeit. Seine Auftritte, oft geprägt von musikalischem Witz und einer tiefen Wertschätzung für die deutsche Sprache und den Sprachwitz dieser Epoche, lassen diese Ära für das heutige Publikum lebendig werden. Seit 2008 in Berlin ansässig, hat Kreis die 20er-Jahre-Retrowelle, die in den 1980er Jahren aufkam, maßgeblich mitgestaltet und gilt als einer ihrer Väter. Er ist ein Künstler, der die Nostalgie nicht nur zelebriert, sondern sie mit Leben füllt und sie einem breiteren Publikum zugänglich macht.
Musikalische Leidenschaft und „Verehrt, Verfolgt, Vergessen“
Die musikalische Leidenschaft von Robert Kreis ist das Herzstück seiner künstlerischen Arbeit. Seine Programme widmen sich mit Hingabe der Unterhaltungsära der 1920er und 1930er Jahre, einer Zeit des Umbruchs, der Kreativität und auch der Schatten. Ein zentrales und besonders berührendes Programm ist „Verehrt, Verfolgt, Vergessen“. In diesem bewegenden Werk erinnert Robert Kreis an jüdische Künstlerinnen und Künstler, deren Leben und Schaffen brutal durch den Nationalsozialismus ausgelöscht wurden. Er bringt ihre oft vergessenen Texte und Kompositionen auf die Bühne, haucht ihnen neues Leben ein und bewahrt so ihr kulturelles Erbe vor dem Vergessen. Diese Arbeit ist nicht nur ein künstlerischer Akt, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Durch die Aufführung dieser Lieder und Chansons schafft Kreis eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und ermöglicht es dem Publikum, die Vielfalt und den Reichtum der damaligen jüdischen Kultur zu erfahren, bevor sie durch die Verbrechen des NS-Regimes zerstört wurde.
Der „Godfather“ der Goldenen Zwanziger und seine Sammlung
Robert Kreis wird oft als der „Godfather“ der Goldenen Zwanziger bezeichnet, eine Bezeichnung, die seine prägende Rolle für die Wiederbelebung dieser Ära unterstreicht. Er gilt als Wegbereiter für viele Künstler, die sich heute mit der Musik und dem Geist dieser Zeit auseinandersetzen, wie zum Beispiel Max Raabe. Seine Inspiration schöpft er dabei maßgeblich aus seiner beeindruckenden Sammlung von Artefakten aus den 1920er und 1930er Jahren. Diese Sammlung umfasst tausende von Schellackplatten, alte Noten und eine Fülle von Literatur aus der Zeit. Diese Originalmaterialien sind für ihn nicht nur historische Dokumente, sondern lebendige Quellen, die ihm Einblicke in die damalige Zeit, den Sprachwitz und die musikalischen Strömungen geben. Durch seine fundierte Kenntnis und seine persönliche Begeisterung gelingt es ihm, die Essenz der Goldenen Zwanziger auf eine authentische und gleichzeitig unterhaltsame Weise auf die Bühne zu bringen. Diese Sammlung ist ein Schatz, der es ihm ermöglicht, die Musik und die Geschichten von Künstlern, die sonst vielleicht für immer in Vergessenheit geraten wären, einem neuen Publikum zu präsentieren.
Lebenswerk als Entertainer und die Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz
Das Lebenswerk von Robert Kreis als Entertainer und Pianist ist geprägt von einer tiefen Hingabe an die Unterhaltungskunst und einer bemerkenswerten Fähigkeit, historische Epochen lebendig werden zu lassen. Mit über 8000 Auftritten seit 1973 und mehr als 30 Jahren Bühnenerfahrung hat er ein beeindruckendes Repertoire aufgebaut und sich als eine feste Größe in der deutschsprachigen Kulturlandschaft etabliert. Seine Programme sind nicht nur musikalisch anspruchsvoll, sondern auch intellektuell anregend und emotional berührend. Die Krönung seines Schaffens und seines Engagements für die Bewahrung des kulturellen Erbes jüdischer Künstler der 1920er und 30er Jahre fand im März 2023 seinen Ausdruck in der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Diese hohe Auszeichnung würdigt seine Verdienste um die Erinnerung an diese Künstler, die er durch seine Arbeit auf die Bühne zurückgebracht und ihnen neues Leben eingehaucht hat. Er ist ein „Zeremonienmeister des befreienden Lachens“, der es versteht, Humor und Ernsthaftigkeit miteinander zu verbinden.
Von der Bühne zur Talkshow: Auftritte und Programme
Robert Kreis hat eine beeindruckende Bandbreite an Auftritten und Programmen vorzuweisen, die seine Vielseitigkeit als Entertainer unterstreichen. Von kleinen Bühnen bis hin zu größeren Konzerten hat er sein Publikum stets mit seinem Können und seiner Leidenschaft begeistert. Seine Bühnenprogramme, die sich primär der Unterhaltungsära der 1920er und 1930er Jahre widmen, sind stets mit Sorgfalt und Liebe zum Detail gestaltet. Er hat auch den Sprung auf die Leinwand geschafft, wenn auch mit einem Kurzauftritt im Film „Sass” im Jahr 2001. Seine Fähigkeit, sich in verschiedenen Formaten zu bewegen, zeigt sich auch in seinen Auftritten in Talkshows, wo er seine Begeisterung für die Musik und die Kultur der Weimarer Republik teilt und Einblicke in seine Arbeit gibt. Seine Programme sind oft inspiriert von seiner umfangreichen Sammlung zeitgenössischer Materialien, die ihm die Authentizität und den Geist der Zeit vermitteln.
Robert Kreis’ Einfluss auf die heutige Kultur
Der Einfluss von Robert Kreis auf die heutige Kultur ist unbestreitbar, insbesondere im Hinblick auf die Wiederbelebung der Faszination für die Goldenen Zwanziger und die Bewahrung des Erbes vergessener Künstler. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Musik, der Witz und der Geist dieser Epoche nicht in Vergessenheit geraten. Seine Arbeit als Entertainer und Pianist inspiriert nicht nur sein Publikum, sondern auch nachfolgende Generationen von Künstlern. Durch seine Programme, die sich der Erinnerung an jüdische Künstler widmen, die vom Nationalsozialismus verfolgt wurden, leistet er einen wichtigen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur und zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Er hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Stimmen derer, die zum Schweigen gebracht wurden, wieder hörbar zu machen und ihr künstlerisches Erbe zu ehren. Sein Engagement für die deutsche Sprache und den Sprachwitz der Goldenen Zwanziger bereichert die heutige Kulturlandschaft und fördert das Verständnis für die Nuancen des Humors dieser Zeit.
Persönliches und Vermächtnis des Künstlers
Das persönliche Vermächtnis von Robert Kreis ist untrennbar mit seinem künstlerischen Schaffen verbunden. Geboren am 10. Mai 1949 in Bandung, Indonesien, hat er eine lange und bewegte Karriere hinter sich, die ihn zu einem der bedeutendsten Botschafter der Goldenen Zwanziger gemacht hat. Sein Markenzeichen, das Menjou-Bärtchen, ist nur ein äußeres Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit der Ästhetik und dem Stil der 1920er und 1930er Jahre. Er ist ein Künstler, der seinen Job liebt und lebt, was sich in jeder seiner Darbietungen widerspiegelt. Seine Fähigkeit, die Melancholie und den Humor dieser oft widersprüchlichen Zeit einzufangen, macht ihn zu einem einzigartigen Interpreten.
Die Bedeutung von Robert Kreis für die Erinnerung an jüdische Künstler
Die Bedeutung von Robert Kreis für die Erinnerung an jüdische Künstler, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sein Programm „Verehrt, Verfolgt, Vergessen“ ist ein bewegendes Zeugnis seines Engagements. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lieder, Texte und Kompositionen dieser Künstler wieder zum Leben zu erwecken und ihre Geschichten zu erzählen. Er bringt ihnen neues Leben ein, indem er sie auf die Bühne bringt und sie dem heutigen Publikum zugänglich macht. Dies ist ein entscheidender Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes und zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Durch seine Auftritte leistet er einen wichtigen Dienst an der deutschen Erinnerungskultur und hilft, die Vielfalt und den Reichtum der jüdischen Kultur, die in Deutschland einst blühte, wieder sichtbar zu machen.
Ein Künstler, der seinen Job liebt und lebt
Robert Kreis verkörpert die Definition eines Künstlers, der seinen Job liebt und lebt. Seine über 30-jährige Bühnenerfahrung, die sich in über 8000 Auftritten manifestiert, spricht für sich. Von seinen Anfängen als Steward auf Kreuzfahrtschiffen, wo er seine ersten Auftritte absolvierte, bis hin zu seinem heutigen Status als gefeierter Entertainer, hat er stets eine tiefe Leidenschaft für die Musik und die Performance gezeigt. Er lebt und atmet die Kultur der 1920er und 1930er Jahre, und diese Authentizität ist es, die sein Publikum so sehr schätzt. Seine Programme sind nicht nur Darbietungen, sondern Erlebnisse, die den Zuhörer in eine andere Zeit entführen. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande ist eine verdiente Anerkennung für sein Lebenswerk und sein unermüdliches Engagement für die Bewahrung und Vermittlung kulturellen Erbes. Er ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Kunst Erinnerung schaffen und Brücken zwischen Generationen bauen kann.
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